dts-Mittagsreport: Regierungspressekonferenz vom 09.10.2026

📅 Gesendet: 09.10.2026 13:22
L-R unter anderem: Sören Haberlandt (BMG), Lisa Royaee (BMZ), Alma Laiadhi (BMF), Göran Swistek (BMVg), Martin Giese (AA), Steffen Meyer (BPA), Michaela Küfner (BPK), Elena Singer (BMI), Eike Hosemann (BMJV), Katharina Schuler (BMAS), Bastian Zimmermann (BMV)

✨ Satz des Tages: "Der Bundeskanzler empfindet es vor diesem Hintergrund als geradezu unmoralisch, dass Herr Schröder an einem solchen Tag mit Herrn Putin feiert." (Stellvertretender Regierungssprecher Steffen Meyer zu Berichten, dass Altkanzler Schröder auf Putins Geburtstagsparty war.)

⭐ Wichtigste Themen: Schröder bei Putin, BND-Affäre um Ex-Chef Hanning, Livestream von Hinrichtung aus den USA.

❗Die RegPK begann pünktlich um 11:30 Uhr und lief bis 12:45 Uhr, also 75 Minuten. Es waren 21 Textjournalisten und 3 Kameraleute anwesend.

Termine des Bundeskanzlers

Der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer stellte die öffentlichen Termine der kommenden Woche vor. 

• Am Dienstag, 13. Oktober, hält der Kanzler gegen 10 Uhr eine Rede beim Arbeitgebertag in Berlin und führt ein moderiertes Gespräch mit BDA-Präsident Dulger. Auch mehrere Minister nehmen teil.

• Am Mittwoch, 14. Oktober, tagt um 10 Uhr das Kabinett als sogenanntes "Apfelkabinett", bei dem Apfel- und Blütenköniginnen Apfelkörbe überreichen. Um 14 Uhr gibt der Kanzler im Bundestag eine Regierungserklärung zum Europäischen Rat ab.

• Am 15. und 16. Oktober nimmt der Kanzler am Europäischen Rat in Brüssel teil. Das Vorab-Briefing findet am Dienstagvormittag statt.


Nachfragen zu den Terminen:

• Reuters will wissen, was bei der EU-Erweiterung konkret auf der Agenda steht. Meyer nennt nur den Rahmen (Wettbewerbsfähigkeit, mehrjähriger Finanzrahmen, Erweiterung, Ukraine, Sicherheit) und verweist auf das Briefing am Dienstag. Nachfrage, ob sich die Regierung der Forderung aus Industrie und Ländern nach Importzöllen auf chinesische Hybridautos anschließt. Meyer antwortet allgemein: Deutschland setze auf regelbasierten Handel, müsse aber auf den veränderten Weltmarkt reagieren. Er verweist auf den gemeinsamen Brief von Merz und Macron zum handelspolitischen Instrumentenkasten.

• Steffen Wurzel (Deutschlandradio) fragt die Bundesregierung, ob sie die Einschätzung des Bundestags-Sonderausschusses teilt, China sei inzwischen vor allem systemischer Rivale. Antwort: Man will parlamentarische Beratungen nicht kommentieren, kluge China-Politik beginne zu Hause. Das Wirtschaftsministerium erwartet im Herbst Vorschläge der Kommission und will Diversifizierung und De-Risking priorisieren. Nachfrage, wie wichtig der Zwischenbericht für die Ministerin ist. Antwort: Berichte seien grundsätzlich wichtig und würden regierungsintern besprochen.

• Rasmus Buchsteiner (Politico) will von Meyer und Frau Laiadhi (BMF) wissen, von welchem Finanzbedarf der Ukraine die Regierung ausgeht und ob Deutschland die bilaterale Hilfe im Haushalt 2027 erhöht. Meyer will den Beratungen nicht vorgreifen und betont Deutschlands Führungsrolle bei der Ukraine-Unterstützung. Nachfrage, ob Selenskyj in Kiew keine Zahl genannt habe und die 70 Milliarden aus der Luft gegriffen seien. Meyer sagt, er berichte grundsätzlich nicht über interne Gespräche.


Reise von Finanzminister Klingbeil nach Indien und Thailand

Das Finanzministerium kündigt an, dass Lars Klingbeil vom 12. bis 17. Oktober mit der Entwicklungsministerin nach Neu-Delhi und Bangkok reist. In Neu-Delhi stehen Gespräche mit Regierung, Finanzbranche und Zivilgesellschaft an, in Bangkok die IWF-/Weltbank-Jahrestagung und die G20-Finanztreffen.

Das Entwicklungsministerium ergänzt, mit Indien arbeite man vor allem bei erneuerbaren Energien über Kredite zusammen. In Bangkok gehe es um Entwicklungsfinanzierung, Krisen und Wasser, dazu kommen ein G7-Entwicklungsministertreffen und ein Treffen mit der Nord-Süd-Kommission.

• Reuters fragt, ob Klingbeil in Indien die Russland-Sanktionen ansprechen wird, da Indien viel russisches Öl kauft. Die Sprecherin sagt, Energie werde sicher ein Thema sein, den Gesprächen könne man aber nicht vorgreifen.


Friedensnobelpreis

Der stellvertretende Regierungssprecher verliest eine erste Reaktion der Bundesregierung. Sie gratuliert Navanethem Pillay, würdigt ihr Lebenswerk für Menschenrechte und Völkerrecht und betont die Unterstützung für den Internationalen Strafgerichtshof.

• Markus Peters (Weser-Kurier) fragt, ob es nicht problematisch sei, dass Pillay 2022 wegen Antisemitismusvorwürfen die Otto-Hahn-Medaille nicht öffentlich verliehen wurde. Meyer verweist auf seine Erklärung.

• Tilo Jung fragt, warum Pillays Arbeit in der UN-Kommission zu Gaza, die einen Völkermord festgestellt habe, nicht erwähnt wurde. Meyer sagt, die Haltung zum Bericht sei bekannt, man respektiere das Mandat der Kommission und nehme die Arbeit ernst.


Schröders Treffen mit Putin

• Kathrin Louise Gräbener (RTL) fragt, ob Altkanzler Schröder ein denkbarer Vermittler wäre und ob die Regierung von dem Treffen wusste. Meyer sagt, der Kanzler sei zutiefst empört und halte es für geradezu unmoralisch, an einem solchen Tag mit Putin zu feiern. Zur Vermittlerfrage verweist er auf die diplomatischen Bemühungen mit den Partnern.

• Maximilian Ulrich (ARD) fragt, ob es Konsequenzen gibt und der Kanzler Schröder anrufen wird. Meyer sagt, die Haltung sei in aller Klarheit dargelegt worden und werde bei allen ankommen.

• Christina Gerhäusser (Deutsche Welle) fragt, ob die Reise im Vorfeld bekannt war. Das Auswärtige Amt verneint, die Botschaft habe keine Unterstützung geleistet. Auf ihre Nachfrage, ob das Innenministerium informiert war, sagt dieses ebenfalls Nein.

• dpa fragt, ob der Kanzler angesichts der positiven Äußerungen des SPD-Politikers Stegner mit dem Koalitionspartner sprechen wird. Meyer will Stegner nicht kommentieren.

• Steffen Wurzel (Deutschlandradio) fragt, ob die geöffnete Tür zu Putin für Verhandlungen genutzt werden könnte. Meyer sagt, man tue diplomatisch alles Mögliche, sehe auf russischer Seite aber keine Bereitschaft. Was Schröder angesprochen habe, sei unbekannt. Nachfrage, ob man aktiv bei Schröder nachfragen würde. Meyer sagt, die Verantwortlichen sollten die Gespräche führen, man solle nicht in Propagandafallen tappen.

• Hans Jessen fragt, ob die Empörung nur die des Kanzlers oder der gesamten Regierung inklusive des Vizekanzlers ist. Meyer sagt, er habe die Haltung des Kanzlers dargelegt, wolle keinen Dissens konstruieren und erwarte Äußerungen weiterer Regierungsmitglieder. Nachfrage, ob die Empörung Schröder direkt mitgeteilt wurde. Meyer sagt, er habe sie ihm "hier direkt mitgeteilt". Auf Jessens Einwand, Äußerungen in der Bundespressekonferenz seien keine direkten Mitteilungen, überlässt Meyer wörtlich die Interpretation den Journalisten.

• Reuters fragt, ob Personenschützer des Altkanzlers eine Auslandsreise anmelden müssen. Später wird dazu nachgereicht, dass seitens des BMI niemand über Mitreisen von Personenschützern des Altkanzlers informiert wird und diese auch nicht genehmigen muss, der Schutzauftrag werde komplett vom BKA ausgeführt.

• Reuters fragt, ob eine Kürzung oder Streichung von Schröders staatlichen Bezügen geprüft wird. Meyer verweist auf die bereits klare Reaktion des Kanzlers und kündigt nichts an.


Deutsch-französisches Panzerprojekt MGCS

• Steffen Wurzel (Deutschlandradio) fragt Regierungssprecher und Verteidigungsministerium, ob Deutschland laut dem französischen Generalstabschef Mandon aus dem Projekt aussteigt. Meyer sagt, Deutschland halte an der vertrauensvollen Zusammenarbeit fest. Das Verteidigungsministerium verweist auf die inzwischen erfolgte Richtigstellung aus Frankreich. Das Projekt sei plattformunabhängig als System-of-Systems-Ansatz angelegt und beim deutsch-französischen Verteidigungsrat im Juli bestätigt worden. Nachfrage, ob das Projekt aus Sicht der Regierung sicher weiterläuft oder Frankreich die Geduld verlieren könnte. Meyer wiederholt seinen Kernsatz zur vertrauensvollen Zusammenarbeit.

• Aysun Bora (Financial Times) fragt, wie es zu der Fehlkommunikation kam. Meyer verweist auf die französische Seite und sieht keinen Dissens.

• Christina Gerhäusser (Deutsche Welle) fragt, ob das Thema in Bordeaux besprochen wird, wo der Verteidigungsminister den Bundespräsidenten begleitet. Das Verteidigungsministerium sagt, dort gehe es breit um deutsch-französische Kooperation, auch in Industrie und Weltraum. Details könne man nicht vorwegnehmen.


Kampfjet der sechsten Generation

• Reuters  will wissen, wie die Regierung auf das Angebot des britischen Premiers reagiert, sich am italienisch-japanisch-britischen Kampfjetprojekt zu beteiligen. Meyer sagt, es werde eine europäische Lösung geben, ein deutscher Alleingang sei nicht sinnvoll, und man werde das Angebot sondieren. Nachfrage, wie das Verteidigungsministerium dazu steht, ob der Minister offen für die Kooperation ist. Das Ministerium will den Aussagen des Regierungssprechers nichts hinzufügen, man sondiere mit verschiedenen Rüstungsunternehmen.

• Ein Journalist fragt, bis wann eine Entscheidung fallen müsste, um die Zeitlinie (Einsatzfähigkeit Mitte der 2030er bis Anfang der 2040er Jahre) zu halten. Das Verteidigungsministerium sagt, die Zeitlinien ergäben sich aus dem Fähigkeitsbedarf und hingen auch von den Unternehmen ab.

• Hans Jessen fragt, ob "europäische Lösung" und das Sondieren mit einem Kreis über Europa hinaus im Widerspruch stehen. Meyer sieht keinen Widerspruch, da mehrere europäische Partner beteiligt seien. Nachfrage, ob Japan als Partner für die Bundesregierung ein Ausschlussgrund wäre. Meyer sagt, man sondiere in verschiedene Richtungen und bringe eigene Interessen ein.


Brasilien I

• Fátima Lacerda fragt das Auswärtige Amt nach der letzte Woche zugesagten Antwort zu einer deutschen Delegation, die in Brasilien über US-Einflussnahme auf die Wahl informiert worden sein soll. Das Amt sagt, es habe keine deutsche, sondern eine EU-Delegation gegeben. Nachfrage, wie der Außenminister den Rechtsruck in Brasilien unabhängig vom Ausgang der Stichwahl einordnet. Das Amt verweist auf die Stichwahl am 25. Oktober und das Protokoll der früheren Antwort und will sich nicht weiter äußern.


Merz, Schwesig und der Spiegel-Bericht

• dpa fragt, ob Meyer den Spiegel-Bericht über eine Auseinandersetzung zwischen Merz und Ministerpräsidentin Schwesig bestätigen kann und ob ein Termin geplant ist. Meyer nennt keinen Termin und sagt, es gebe regelmäßigen Austausch mit den Ministerpräsidenten. Den Vorgang bestätigt er nicht, da man aus persönlichen Gesprächen grundsätzlich nichts kommentiert, dementiert oder bestätigt.

• Fátima Lacerda stellt dieselbe Frage nochmal und wird auf die vorherige Antwort verwiesen.

• Hans Jessen fragt, ob Schwesig den Kanzler stehen ließ, was er als äußere Form und nicht als Inhalt des Gesprächs sieht. Meyer bleibt bei seiner Linie. Er nennt als Anlass des Treffens den Austausch zum EU-Finanzrahmen, der für Mecklenburg-Vorpommern etwa wegen der Landwirtschaft wichtig sei.

• Fátima Lacerda fragt, wie der Kanzler dazu komme, Schwesigs Slogan "Frau gegen Blau" als persönlichen Angriff einzuordnen. Meyer sagt, die Frage setze eine Bestätigung voraus, die er nicht gegeben habe. Er kommentiere das nicht und verweist auf die Pressekonferenzen der Parteien nach der Wahl.


Rentenpaket

• Rasmus Buchsteiner (Politico) fragt, ob der Kanzler mit der Aussage "bis Weihnachten im Kabinett" das Tempo herausnimmt und worin der Unterschied zwischen Gesetzentwurf und Eckpunkten liegt. Meyer verneint das. Die Reform sei zentral und komplex, es gelte "so schnell wie möglich, aber so sorgfältig wie nötig", und die Zeitpläne würden regierungsintern besprochen.

• Reuters fragt das Arbeitsministerium, warum trotz der Vereinbarung im Juli noch kein Gesetzentwurf vorliegt, etwa zur abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Das Ministerium sagt, man arbeite mit Hochdruck und werde wie verabredet im Herbst etwas vorlegen. Nachfrage, ob die Rente komplizierter sei als die Gesundheitsreform, für die schnell Entwürfe vorlagen. Das Ministerium nennt die Rente das komplexeste Reformwerk seit den 90er Jahren. Es wolle Vertrauen erhalten und keine Schnellschüsse machen, ohne etwas zu verzögern.

• Ein Journalist fragt, ob eine Befassung des Bundestags noch in diesem Kalenderjahr ausgeschlossen ist. Meyer hält das nicht für ausgeschlossen und sagt, der Kanzler treibe das Thema an.


US-Hinrichtung per Livestream

• dts fragt das Auswärtige Amt nach einem Kommentar zur angekündigten Livestream-Übertragung einer Hinrichtung in den USA. Das Amt äußert sich nicht zum Einzelfall, betont aber die grundsätzliche Ablehnung der Todesstrafe. Nachfrage, ob die Bundesregierung noch dieselben Werte wie die USA teile. Das Amt sagt, die Ablehnung sei den USA klar, es bestehe seit jeher ein Dissens, mit dem man umgehen müsse.

• Reuters fragt Meyer, ob sich die Regierung dafür einsetzt, dass die Hinrichtung in Deutschland nicht live zu verfolgen ist. Meyer meint, das müsse wohl europäisch geregelt werden, kündigt aber nichts an. Auf Nachfrage, ob man sich für eine Verhinderung einsetze, sagt er, dazu sei nichts anzukündigen.

• Tilo Jung fragt das Verteidigungsministerium nach der Haltung zur Ankündigung des Pentagon, da es sich um eine Militärexekution handle und die Streitkräfte eng zusammenarbeiten. Das Ministerium hat den bisherigen Äußerungen nichts hinzuzufügen und sagt, die deutschen Streitkräfte seien nicht betroffen.


BND-Affäre Hanning: Nebentätigkeiten und Geheimnisträger

• Kathrin Louise Gräbener (RTL) fragt, ob es Nebentätigkeiten leitender Beamter zu sicherheitsrelevanten Themen gibt und ob die Regierung das nachprüft oder ohnehin weiß. Das Innenministerium sagt, Nebentätigkeiten genehmige immer die oberste Bundesbehörde. Zur konkreten Personalangelegenheit äußert sich die Regierungsseite wie üblich nicht und verweist auf das BMI. Nachfrage, ob das Bundeskanzleramt als zuständige Behörde eine solche Nebentätigkeit gegenzeichnen muss oder davon erfährt. Die Regierungsseite verweist auf die vom BMI genannten Regeln und äußert sich nicht zur konkreten Personalangelegenheit.

• dpa fragt, wie die Regierung zur wiederholten Mahnung des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) von 2023 steht, schärfere Regeln für Geheimnisträger und strengere Karenzregeln einzuführen. Das BMI sagt, die Empfehlungen seien in das Gesetz zur Beschleunigung von Disziplinarverfahren eingeflossen. Nach § 105 Bundesbeamtengesetz gebe es bei sicherheitsrelevanten Tätigkeiten mit höchster Sicherheitsüberprüfung, die einen anderen Staat betreffen, jetzt eine Anzeige- und Genehmigungspflicht statt einer reinen Anzeigepflicht. Nachfrage nach Zahlen, etwa wie viele solcher Nebentätigkeiten genehmigt oder zurückgenommen wurden. Das BMI muss nachschauen, die Zahlen sollen nachgereicht werden.

• Fátima Lacerda fragt, wie es um die Glaubwürdigkeit des Nachrichtendienstes gegenüber ausländischen Diensten steht, wenn Dokumente in fremde Hände gelangen können. Die Regierungsseite verweist auf die ausführliche Äußerung des stellvertretenden Regierungssprechers am Mittwoch und will sich nicht weiter einlassen. Nachfrage, dass Hans-Georg Maaßen bei "TV Berlin" ein Glaubwürdigkeitsproblem der Behörde bestritten hat, ob das im Haus ein Thema ist. Die Regierungsseite hat nichts hinzuzufügen und betont das vertrauensvolle Verhältnis zu den Partnerdiensten.

• Hans Jessen fragt das BMI und Meyer, wie die Regierung das PKGr über ihren Kenntnisstand in der Causa Hanning informiert. Die Regierungsseite sagt, man nehme den Fall sehr ernst und arbeite mit den Ermittlungsbehörden und dem PKGr, auch dem Ständigen Bevollmächtigten, umfassend zusammen. Über nachrichtendienstliche Dinge könne man öffentlich nicht informieren. Nachfrage nach dem institutionellen Rahmen, also ob es schriftliche Anfragen gibt und ob Regierungsvertreter an Sitzungen teilnehmen, und wenn ja auf welcher Ebene. Die Regierungsseite verweist auf die geheim tagenden Gremien und bittet, sich ans PKGr zu wenden. Vergangene Woche habe es eine ausnahmsweise öffentliche Sitzung gegeben.

• Reuters fragt, ob das Innenministerium das Bundesbeamtengesetz weiter verschärfen will, etwa mit einem Beratungsverbot für Geheimdienstchefs nach der Dienstzeit. Sprecherin Singer äußert sich nicht im Detail und verweist auf die laufenden Ermittlungen des Generalbundesanwalts. Es handle sich um eine Straftat, die lückenlos aufgeklärt werden müsse, das sei etwas anderes als mögliche Änderungen im Beamtenrecht. Auf die Nachfrage, ob man die mutmaßliche Genehmigung der Nebentätigkeit des Büroleiters innerhalb des BND im Beamtengesetz verschärfen könnte, kann Singer zu den Einzelheiten nichts sagen.

• Tilo Jung fragt Frau Singer, ob Hanning ein Beobachtungsfall des Verfassungsschutzes war, und Meyer, ob die Regierung die politische Verbindung zum als rechtsextrem beobachteten Maaßen auf dem Schirm hat. Singer sagt, man äußere sich nicht zu Personalangelegenheiten. Auf die Nachfrage, ob die Verbindung bekannt sei, verweist die Regierungsseite auf die laufenden Ermittlungen, die man umfassend unterstütze.


Erbschaftsteuer

• Steffen Wurzel (Deutschlandradio) fragt, ob die Regierung vor der Befassung des Bundesverfassungsgerichts Änderungen bei der Erbschaftsteuer plant. Das Finanzministerium nennt zwei mündliche Verhandlungen am 12. und 13. Oktober, zur bundeseinheitlichen Regelung und zur Verschonung betrieblichen Vermögens. Finanzminister Klingbeil sei das Thema mit Blick auf Vermögensverteilung und Gerechtigkeit wichtig, und spätestens nach dem Urteil werde man sich mit weiteren Fragen beschäftigen. Nachfrage, mit welchen Argumenten die Regierung in Karlsruhe die bisherigen Regeln verteidigen will. Das Ministerium will den Verhandlungen nicht vorgreifen. Der Parlamentarische Staatssekretär Michael Schrodi werde die Rechtslage vortragen.


Brasilien II

• Fátima Lacerda fragt Meyer, wie der Kanzler die Entwicklung in Brasilien einordnet, und verweist auf die gemeinsame Passion für Multilateralismus und die G4-Initiative zur UN-Reform. Meyer sagt, zum deutsch-brasilianischen Verhältnis habe sie das Wichtige schon genannt. Innenpolitische Entwicklungen kommentiere man grundsätzlich nicht.


Schulabbrecher

• dpa fragt das Bildungsministerium, wie es kommentiert, dass laut Statistischem Bundesamt die Zahl der jungen Menschen ohne Schulabschluss auf einen Höchststand von rund 65.000 gestiegen ist. Das Ministerium sagt, Bildung sei zwar Ländersache, die Ministerin wolle aber eine drastische Senkung. Der Bund setze auf das heute im Bundestag eingebrachte Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz zur frühkindlichen Bildung und auf das Startchancenprogramm für Schulen. Dessen Erfolge sollen auf das gesamte Bildungssystem übertragen werden.


Gebäudetyp E

• Maximilian Ulrich (ARD) fragt das Justizministerium, warum der für den Sommer angekündigte Gesetzentwurf zum Gebäudetyp E noch nicht beschlossen ist. Das Ministerium sagt, der Entwurf zur Anpassung des Bauvertragsrechts sei im Sommer fertig geworden und befinde sich seither in der regierungsinternen Abstimmung. Man würde ihn gern mit Ländern und Verbänden diskutieren. Nachfrage, woran es in der Abstimmung hakt und wann der Entwurf ins Kabinett kommt. Das Ministerium berichtet nicht aus regierungsinternen Abstimmungen und nennt als Zeitplan "sobald wie möglich".

• Steffen Wurzel (Deutschlandradio) hält es für ein fatales Zeichen, dass es trotz der Aussage im Juli, es sei kurz davor, nun Monate dauert. Das Ministerium verweist auf das komplizierte Regelungsumfeld aus Landesbaunormen, DIN-Normen und Bauvertragsrecht. Der frühere Vorschlag sei kritisch aufgenommen worden, und dass der neue Entwurf nicht öffentlich ist, zeige weiterhin unterschiedliche Auffassungen. Man werbe dafür, ihn bald vorzustellen. Nachfrage jetzt an Meyer, wo es hakt. Meyer will nicht über regierungsinterne Gespräche berichten, betont aber die Wichtigkeit des Themas.

• Maximilian Ulrich (ARD) fragt Meyer, ob der Kanzler beim bezahlbaren Wohnen ebenso Druck macht wie bei der Rente. Meyer antwortet: "Durchaus, ja."


Desinformationskonferenz Disinfo 26

• Hans Jessen fragt das Auswärtige Amt, ob auf die Bundesregierung Druck ausgeübt wurde, die Unterstützung für die Konferenz in Vilnius zu entziehen, nachdem die EU ihre Förderung wegen Drucks der Trump-Regierung zurückgezogen hatte. Das Amt kennt die EU-Entscheidung nicht unmittelbar, weiß von keinem Druck und würde sonst nachliefern.

• Tilo Jung fragt, wie die Bundesrepublik Desinformation von staatlicher Stelle in den USA bewertet. Das Amt sagt, Desinformation finde man nicht gut. Nachfrage, welche Haltung die Regierung zu Desinformation aus Amerika habe. Das Amt verweist auf die häufig besprochene russische Desinformation und lehnt manipulative Desinformation grundsätzlich ab, sie zu bekämpfen gehöre zur Verteidigung der Demokratie. Das sei aber nicht per se ein Thema des Auswärtigen Amts.


AfD-Verbotsverfahren

• Fátima Lacerda fragt das Justizministerium nach der aktuellen Einschätzung zum AfD-Verbotsverfahren nach der Anhörung im Thüringer Landtag. Das Ministerium verweist auf frühere Äußerungen der Ministerin. Nachfrage, ob der Kanzler mit Verteidigungsminister Pistorius darüber spricht, der das Verfahren befürwortet, und wie der Kanzler es einschätzt. Meyer verweist auf die früher genannten hohen Hürden. An dieser Haltung habe sich nichts geändert.


Bluttests auf Down-Syndrom

• dpa fragt das Gesundheitsministerium, ob es ein Monitoring- oder Expertengremium einsetzt, um die Forderung des Bundestags nach genauerer Beobachtung der Bluttests umzusetzen. Das Ministerium hat dazu nichts parat und will nach Rücksprache nachreichen.


EZB-Direktorium

• Reuters fragt das Finanzministerium, ob es schon einen Kandidaten oder eine Kandidatin für die Nachfolge von Frau Schnabel im EZB-Direktorium hat, nachdem der Eurogruppenchef um Vorschläge bis zum 28. Oktober gebeten hat. Das Ministerium äußert sich zu Personalspekulationen nicht und hat keine Information. Nachfrage, das sei keine Spekulation, man frage nur nach einem Namen. Das Ministerium bleibt dabei und äußert sich nicht.


Merz und die Aussagen zu Sachsen-Anhalt

• Tilo Jung fragt Meyer, ob der Kanzler bei seiner im Handelsblatt-Termin geäußerten "Verschwörungstheorie" bleibt. Er bezieht sich auf die Abstimmung im Landtag von Sachsen-Anhalt und die Andeutung, CDU-Abgeordnete könnten anders abgestimmt haben als angekündigt. Meyer äußert sich nicht zu Abstimmungen im Landtag in Sachsen-Anhalt und sagt, die Worte des Kanzlers stünden für sich. Nachfrage, die Aussage mache keinen Sinn, da nur die CDU-Fraktion nicht wie angekündigt abgestimmt habe. Er fragt, warum der Kanzler so etwas in der Öffentlichkeit ins Spiel bringt. Meyer sagt, Landtagsabstimmungen seien kein Thema für die Bundesregierung, und Jung könne seine Haltung in einer Demokratie gern äußern. Was Merz gesagt habe, stehe für sich.

• Hans Jessen fragt, ob eine False-Flag-Option nach Auffassung der Regierung ein Mindestmaß an inhaltlicher Plausibilität braucht. Meyer sagt, ihm falle es teilweise schwer, der Frage zu folgen. Er verweist auf die lange Rede und das Q&A vom letzten Freitag, die man im Kontext sehen müsse. Jessen formuliert die Frage einfacher: Sieht der Kanzler hinreichende Plausibilität dafür, dass das geheime Abstimmungsverhalten eine False-Flag-Handlung gewesen sein könnte? Meyer sagt, die Bundesregierung äußere sich nicht zu Abstimmungen im Landtag in Sachsen-Anhalt.

• Tilo Jung wendet ein, Meyer habe den Termin als Kanzlertermin angekündigt und der Kanzler habe sich dort geäußert, daher solle er sich dazu äußern. Meyer verweist erneut darauf, dass die Worte des Kanzlers für sich stünden. Nachfrage, es hätte ja sein können, dass der Kanzler sich in zwei Tagen anders besonnen hat, und hält die Frage angesichts der historischen Maßstäbe für gerechtfertigt. Meyer sagt, alles sei gerechtfertigt, er habe auf seine Antwort verwiesen und akzeptiere, dass sie nicht gefalle.


Tiergartentunnel

• Kathrin Louise Gräbener (RTL) fragt, ob die Regierung die Probleme mit dem Tiergartentunnel zur Chefsache macht. Meyer verneint und hat mit der Kategorie Chefsache generell Probleme. Die Regierung investiere stark in Infrastruktur, damit alle gut von A nach B kommen.


Die nächste Regierungspressekonferenz gibt es am Montag, 12. Oktober, 11:30 Uhr. Wir wünschen ein schönes Wochenende.

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