dts-Mittagsreport: Regierungspressekonferenz vom 05.08.2026
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✨ Satz des Tages: "Wie gesagt, der Vorfall, über den wir gerade sprechen - oder: versuchen, zu sprechen - hat letzte Nacht stattgefunden." (BMI-Sprecher Leonard Kaminiski, nachdem er mehrere Fragen zu dem Drohnen-Fall alle gleich beantwortet hat, dass er keine weiteren Informationen zu verkünden habe.) ⭐ Die wichtigsten Themen (nach Zahl der Fragesteller): Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig, Niedrigwasser, Desinformationskampagne. ❗ Die RegPK dauerte heute 67 Minuten, 20 Textjournalisten und 7 Kameraleute waren anwesend. |
dts fragt, ob es bereits eigene Erkenntnisse zu dem Vorfall gebe. BMI-Sprecher Kaminski (BMI) bestätigt den Fund der Drohne, verweist aber auf laufende Ermittlungen und will keine weiteren Details nennen. Claudia Kornmeier (ARD-Hauptstadtstudio) fragt nach, ob die Regierung von einem "versuchten Anschlag" spreche. Regierungssprecher Hille verweist ebenfalls auf die Ermittlungen. Das Verteidigungsministerium sagt, die Bundeswehr sei nicht involviert.
Falk Steiner will vom Verkehrsministerium wissen, was der Vorfall für die allgemeine Verkehrssicherheit bedeute. Ein Sprecher des Verkehrsministeriums erklärt, man sei sich der Gefährdung bewusst und Ziel sei es, Drohnen schnell zu identifizieren und unschädlich zu machen.
dpa fragt nach Details zum Sprengstoff, wird aber erneut auf die laufenden Ermittlungen verwiesen. Verkehrsministerium reicht nach, dass die Nordbahn ca. zwei Stunden gesperrt war ab 1:55 Uhr, die Südbahn ist noch gesperrt. Steffen Wurzel (Deutschlandradio) fragt nach der Chronologie der Ermittlungen und ob die Drohne gesprengt wurde, was das BMI auch nicht beantworten kann.
Niedrigwasser, Klima und Landwirtschaft
Reuters fragt das Landwirtschafts- und Verkehrsministerium, ob die
Bundesregierung Hilfen für Bauern wegen der Dürre und des Niedrigwassers
plane. Ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums antwortet, man
beobachte die Lage, sei im Austausch mit Akteuren, aber eine finale
Einschätzung sei noch zu früh, da es große regionale Unterschiede gebe.
Auf eine Nachfrage zum Spitzengespräch von Verkehrsminister Bilger
erklärt ein Sprecher des Verkehrsministeriums, dass Vertreter der
betroffenen Industrien (Chemie, Stahl, Reedereien) eingeladen seien, um
Problemstellungen zu identifizieren und Lösungen zu erarbeiten. Ein
Journalist fragt Regierungssprecher Hille, ab welchen konkreten
Kennzahlen (Hitze, Hitzetote, Pegelstände) das Thema zur "Chefsache"
erklärt werde. Hille weist die Frage zurück, betont aber, dass das Thema
alle Ebenen intensiv beschäftige und der Bund eine koordinierende Rolle
einnehme. Man reagiere "lageabhängig".
Falk Steiner fragt nach einer geplanten Taskforce, wie von NRW gefordert. Der Verkehrsministeriums-Sprecher sagt, man wolle das Ergebnis des Gesprächs morgen abwarten. Frage nach den Auswirkungen auf die Energieversorgungssicherheit (z.B. Raffinerie in Köln): Der Sprecher des Verkehrsministeriums versichert, dass derzeit keine Versorgungsengpässe bei Öl und Kraftstoffen beobachtet würden und es keine Drosselungen von Kraftwerken gebe. Eine weitere Nachfrage an das Landwirtschaftsministerium betrifft die Bemühungen um hitzeresistentere Getreidesorten. Der Sprecher des Landwirtschaftsministeriums erklärt, dass diese Förderung und Unterstützung schon seit Jahren und Jahrzehnten laufe und keine Versuchsprojekte mehr seien.
Energie (Gasspeicher, Strompreise, Übergewinnsteuer)
Kerstin Dausend (MDR) fragt das BMWE, ob der Gasspeicherstand von 76% bis zum 1.
November erreichbar sei und wie die Einspeicherung vor dem volatilen
LNG-Markt forciert werden solle. Ein Sprecher antwortet, die
Wintervorsorge laufe und sei Aufgabe der Unternehmen; man gehe davon
aus, dass der Markt die Befüllung übernehmen könne. Falk Steiner fragt,
warum Porenspeicher besonders schlecht gefüllt seien. Der Sprecher
erklärt, dies liege an unterschiedlichen Speicherarten und regionalen
Nachfrageunterschieden. Auf die Frage nach einer Initiative der
Ministerin, falls die Mindeststände nicht erreicht werden, will sich der
Sprecher nicht zu einem spekulativen Szenario äußern. Steffen Wurzel fragt
nach einem neuen Sachstand zur Übergewinnsteuer. Eine Sprecherin des
Bundesfinanzministeriums erklärt, dass sich Finanzminister Klingbeil
weiterhin auf EU-Ebene dafür einsetze und man laufend prüfe, welche
Maßnahmen notwendig seien. Konkretes habe man nicht anzukündigen.
Regierungssprecher Hille bestätigt, dass die Prüfungen grundsätzlich
laufen.
Stefan Wittmann (RTL) fragt, ob die Aussage von Wirtschaftsministerin Reiche, dass Bürger erst ab 2030 mit deutlichen Strompreissenkungen rechnen könnten, Konsens in der Regierung sei. Hille verweist auf bereits erfolgte Senkungen (Gasspeicherumlage, Netzentgelte) und erklärt, dass gesetzliche Veränderungen Zeit bräuchten, bis sie wirken. Eine Sprecherin des BMWE ergänzt, dass der Paradigmenwechsel im Stromsystem und lange Abschreibungszeiträume für Netzinvestitionen zu zeitverzögerten Effekten führten. Falk Steiner fragt, ob die Abschaffung der Gasspeicherumlage und eine neue Finanzierung für die Gasreserve wirklich eine Ersparnis für die Verbraucher bedeute. Die BMWE-Sprecherin antwortet, dass dazu erst Gespräche liefen und Haushalt oder Umlage mögliche Optionen seien.
Desinformationskampagne "Operation Matrjoschka"
Anselm Stern (ZDF) fragt Herrn Hille, was die Bundesregierung gegen die
ausgeweitete russische Desinformationskampagne vor den Landtagswahlen
tue. Hille verweist an Herrn Kaminski (BMI). Dieser bestätigt die
Kampagne, bei der Kurzvideos auf Englisch mit Vorwürfen wie
Korruption verbreitet würden. Die Reichweite sei aktuell gering, aber
die Kampagne sei ernstzunehmen. Auf Nachfrage sagt er, es gebe keine
Information, dass man eindeutig sagen könne, sie sei aus Russland
gesteuert. Steffen Wurzel fragt das Auswärtige Amt, ob dem AA Kenntnisse
vorlägen, dass Russland die Wahlen beeinflussen wolle. Ein Sprecher des
AA bestätigt generell den dauernden, staatlich gesteuerten Angriff
Russlands auf die Demokratie, ohne sich zum konkreten Fall zu äußern.
Auf die Frage, ob sich nach der Einbestellung des russischen
Botschafters etwas getan habe, verweist er auf die damalige
Kommunikation. Claudia Kornmeier (ARD) fragt Herrn Kaminski, ob man gegen die
Videos vorgehe (z.B. löschen). Kaminski sagt, das sei nicht der Fall, da
die Verbreitung von Informationen, auch falschen, erstmal nicht
verboten sei. Hille ergänzt, dass es bereits Attribuierungen und
Sanktionslisten auf EU-Ebene gegen solche Desinformationsakteure gebe.
Er appelliert an die Medienkompetenz der Bevölkerung. Falk Steiner fragt
nach dem Stand der Zentralstelle ZEAM. Kaminski bestätigt, dass es sich
weiterhin um eine Projektgruppe handle, aber dass alle
Sicherheitsbehörden dort zusammengeschaltet seien.
dpa fragt, ob die Kampagne trotz geringer Reichweite harmlos sei. Kaminski verneint dies, sie sei weder harmlos noch ungefährlich. Auf die Frage, warum die Kampagne auf Englisch laufe, hat er keine Erklärung. dts fragt nach Unterschieden zu früheren Kampagnen. Kaminski sieht Ähnlichkeiten, aber der Fokus auf die Landtagswahlen sei ein Unterschied. Claudia Kornmeier (ARD) bittet um genaue Zahlen zur Reichweite; diese sollen nachgeliefert werden. Falk Steiner fragt nach der Rechtslage, die ein Sprecher des Digitalministeriums mit Verweis auf den Digital Services Act (DSA) beantwortet.
BAföG-Reform
Ein Journalist fragt nach dem aktuellen Stand der Beratungen und ob der
Kabinettsentwurf nun vorliege. Der antwortet, dass es am 12. August eine Kabinettsbefassung zur
BAföG-Reform geben werde. Details gibt es vorher nicht.
KNDS
Uwe Berndt (ARD-Hauptstadtstudio) fragt nach dem Stand nach dem gescheiterten Börsengang von KNDS
und einem möglichen Staatseinstieg. Hille korrigiert: Der Börsengang
wurde nach Ansicht der Bundesregierung pausiert, nicht gescheitert. Die Regierung sei weiterhin daran
interessiert, gemeinsam mit Frankreich das Unternehmen in eine
erfolgreiche Zukunft zu führen. Er zitiert als "Servicehinweis" den
KNDS-Verwaltungsratschef Tom Enders, der gesagt habe, es gebe keine
Diskussionen und keinen Grund für eine komplette Verstaatlichung. Auf
Nachfrage von Falk Steiner, ob die Regierung diesen Grund ebenfalls
sehe, bekräftigt Hille nur die Position, gemeinsam mit Frankreich die
Zukunft als Anteilseigner zu gestalten.
Reuters fragt das Wirtschaftsministerium, ob der Börsengang die oberste Priorität habe und ob es Gespräche über Alternativen gebe. Das Wirtschaftsministerium verweist auf die Ausführungen Hilles.
Commerzbank und Unicredit
RND fragt, wie die Bundesregierung die Berichte sehe, die Commerzbank
habe den Kampf gegen die Übernahme durch Unicredit aufgegeben. Hille
bekräftigt die bekannte Position: Man lehne das aggressive Vorgehen der
Unicredit ab, es sei nun Sache der Banken, miteinander zu sprechen. Das
Finanzministerium ergänzt, dass die BaFin unabhängig arbeite und die
Unterlagen geprüft habe.
Bundespräsidenten-Wahl
Ein Journalist fragt, ob Bundeskanzler Merz mit Bayerns Ministerpräsidenten
Söder einer Meinung seien, dass eine Frau die nächste Bundespräsidentin
werden solle. Hille erklärt, der Kanzler habe sich dahingehend geäußert,
dass man sich im Herbst erst innerhalb der Union und dann in der
Koalition auf eine Kandidatin oder einen Kandidaten verständigen werde.
Kommunikationspanne Kanzleramt - Senatskanzlei (Tagesspiegel-Recherche)
Pauline Voss (Nius) fragt zu den widersprüchlichen Aussagen des Kanzleramts bezüglich
eines Telefonats zwischen Kanzler Merz und dem Regierenden
Bürgermeister von Berlin am Tag des Stromausfalls. Sie will wissen, wie
der Unterschied zwischen einem Antwortentwurf (kein Telefonat) und der
finalen Antwort (doch Telefonat) zustande kam und ob es Absprachen gab.
Hille verweist auf die bereits ausführliche Behandlung des Themas in
früheren Sitzungen und die Protokolle. An der Sachlage habe sich nichts
verändert. Falk Steiner fragt nach, warum im ersten Schritt eine
unrichtige Antwort erteilt wurde. Hille wiederholt den Satz, dass
feststellbar kein persönliches Gespräch geführt wurde, und spricht von
einem "kommunikativen Missverständnis", nicht von einer Unwahrheit.
Innere Sicherheit und Justiz
Mohamad Aiash fragt, ob es Strafen für die Polizei gebe, weil sie vom Attentäter von
Tiergarten wusste. Hille distanziert sich von dieser Aussage und sagt,
dass weder er noch der Minister die Polizei als Mittäter ansehen würden.
Er könne eine von Aiash zitierte Aussage des Ministers Dobrindt nicht bestätigen. Falk Steiner
fragt, ob es sich für einen Innenminister gezieme, die Justiz wegen zu
laschem Vorgehen zu kritisieren. Hille erläutert, der Minister fordere
Änderungen wie eine Präventivhaft, eine ausgeweitete Fußfessel und eine
Schärfung des Jugendstrafrechts, um Anschläge besser verhindern zu
können.
Bundeszentrale für politische Bildung & "Landshut"
Ein
Journalist fragt das Innenministerium nach einer geplanten
Umstrukturierung der Bundeszentrale für politische Bildung. Das BMI kann
dazu nichts sagen und kündigt eine Nachlieferung an. Eine weitere Frage
an das Auswärtige Amt betrifft das Flugzeug "Landshut" und den
geplanten Museumsbau. Das AA stellt klar, dass das Projekt nicht in
seiner Verantwortung liege und die Maschine nicht "vor sich hin modere",
sondern temporär für eine Ausstellung genutzt werde.
Allgemeines (Kabinett, Termine)
dts fragt nach den Terminen für nächste Woche und der
Kabinettssitzung. Hille bestätigt eine Sitzung am Mittwoch um 10 Uhr,
die voraussichtlich vom Vizekanzler geleitet werde. Dies sei nur in der
Sommerphase ein zweiwöchiger Rhythmus, sonst tage das Kabinett dann bald wieder wöchentlich.